Eiger Bike Challenge 2007 - MTBC-Frankfurt
Bericht von der Eiger Bike Challenge 2007 / Schweiz v. Gabi und Karin
Gruezi miteinand!!!
so, Karin und ich sind auch wieder gelandet. Wir haben uns ja ein paar Tage in der ältesten Geldwäscherei der Welt aufgehalten, haben Berge bestaunt und Röschti gegessen, zum Frühstück gab's Gipfeli und nachmittags auf der Alm Käsküchli (oder Rüblitorte, je nach Belieben). Abends ein Panache und die Welt ist ok....:-)!
Aber schon mal vorweg zu eurer Info! Ihr dürft uns nun mit "Eiger Bike Challenge Finisherinnen" ansprechen, wir haben es beide ohne technische und körperliche Defekte geschafft die kurze Distanz über 55km und 2500 Hm den Mountainbike Marathon Eiger Bike Challenge www.eigerbike.ch In respektablen Zeiten zu bewältigen! Absoluter Wahnsinn!
Und jetzt der Bericht in voller Länge: Freitag Abend hab ich Karin am Flughafen eingesammelt und los ging die wilde Fahrt Richtung Baden-Baden,da haben wir schon mal übernachtet, um schneller ans Ziel zu gelangen. Genauer gesagt in Bühlertal, aber das wird euch nicht so sehr interessieren. Im Hotel Engel waren wir untergebracht, Zimmer ist nicht unbedingt empfehlenswert, aber das Frühstück war ok! Morgens erst mal Regen, bääh, aber bei genauerem Hinschauen entpuppte sich die Gegend als durchaus lohnenswertes Kurztripziel! Behaltet es also mal im Hinterkopf!
In Bühl wollten wir nur schnell noch ein bissi Geld holen (wer denkt denn auch daran, dass man in der Schweiz noch mit Franken zahlen muss, das bundische Spielgeld). Nun gut, wie das bei Frauen so ist, hier noch mal schnell Schaufenster schauen, da noch nen Gürtel gekauft, schwuppdiwupp war es nach Mittag und wir zum einen etwas ärmer und unserem Ziel noch kein Stück näher. Hhhmmmhmh, ob der Eiger Bike Challenge Meldeschluß um 15:00 in Grindelwald noch zu halten ist??? Alles geben, wird schon werden! Nach heftigem Verkehr kamen wir dann so gegen vier in Grindelwald an, vor und hinter uns jede Menge Autos mit schicken MTBs auf'm Dach. Ob auch genauso schicke Männer drauf sitzen???
Eigentlich hatten wir uns schon ausgemalt, dass wir nun zur Nachmeldung der Eiger Bike Challenge kommen und man uns sagt, dass wir leider zu spät sind. Daraufhin würde sich auf unseren Gesichtern ein breites Grinsen breit machen und wir könnten tatsächlich mal Urlaub machen. Aber so nachsichtig wie die Schweizer nun mal sind, war es gar kein Problem, sogar mit Euro (aber davon 70 an der Zahl p.P) nachzumelden. Die arme Karin, so schnell wie ich aus dem Auto gesprungen war und zur Anmeldung gehastet bin, konnte sie gar nicht schauen und mich von diesem Unterfangen abhalten. Dabei war sie es ja, die unbedingt an diesem klasse Panorama Mountainbike Marathon Rennen teilnehmen wollte. Obwohl wir uns auf der Fahrt schon die schlimmsten Horrorszenarien ausgemalt hatten.
Ich war nicht wenig überrascht, was für ein tolles Finisherpräsent es für das üppige Startgeld gab, eine sehr schöne schwarze Trainingsjacke zum drüberziehen, wenn's kalt ist, ihr werdet vor Neid erblassen. Zimmer beziehen (total klasse, wir hatten das "Schoko & Vanille Zimmer", absolut stylisch) und wieder runter in den Ort, Pasta Party mitmachen. Und ständig Eiger Mönch und Jungfrau vor der Nase, von unserem Balkon aus ein wunderschöner Blick aufs Wettersteinhorn und den oberen Gletscher. Da es ein Bikehotel ist gab's am Rennsonntag ab 6:00 schon Frühstück.
Wir waren ganz schön aufgeregt, aber die Hotelbesitzerin hat uns Mut zugesprochen. Vom start weg würde es erst mal 1000 Hm am Stück auf Asphalt > bergauf gehen, dann kurze Verschnaufpause und weitere 200-300 Hm hoch zum First auf 2167m. Danach noch ein paar Mal rauf und runter, so hatte man uns> gesagt, aber technisch total easy und locker zu fahren....Eiger Bike Challenge eben!
Da die Strecke am Hotel vorbei ging konnten wir den Startern der MTB Marathon Langdistanz (88km und 3900 Hm) der Eiger Bike Challenge entgegenfahren und sie anfeuern, unser Hotelwirt Benni war auch dabei! Viertel vor Acht Start, soviel waren es gar nicht, insgesamt wohl ca. 1200 auf allen drei Strecken (es gab noch nen Mini-Marathon mit 25 km und 1000Hm).Ok, gut gestartet, vorbei am Hotel, angefeuert von den Mitarbeitern dort und dann einen guten Tritt finden. Es ging alles ratzfatz, ich hatte immer 2-3 Frauen vor mir, denen ich mich langsam näherte und nach knapp 1h15min waren die ersten 1000Hm und ca. 13km schon getilt (mit einem > konstanten 186er Puls)! Dann weiter auf Schotter, erst schön am Hang entlang mit einem Wahnsinnsblick auf die umliegenden Viertausender (man muss bedenken, dass wir wider Erwarten bestes Wetter hatten, 28°C und blauer Himmel) und später stetig bergan bis zum First. Auf dem Weg dorthin sah ich die ersten bunten Punkte vor mir an einem matschig braunen Hang rumschlittern, was soll dass denn, dachte ich bei mir, da müssen wir hoch??? Bei näherem Hinsehen zeigte sich, dass es sich um die spätere "Abfahrt" (Abgang wäre das> bessere Wort handeln sollte, bbrrrhhh! Man muss bedenken, dass es meist genauso steil bergab wie bergauf ging, denn irgendwie sollte ja alles auf die 55km passen :-(.
Wie ihr wisst, bin ich bergab wahrlich kein Pienzchen, aber das war ziemlich gefährlich, was da abging. Matschiger Grashang mit heftigem Gefälle, ne danke, da hab ich lieber geschoben. Auf dieser Cross Einlage kam mir Karin noch im Anstieg entgegen, bei ihrem entsetzen Blick frei nach dem Motto "oh Gott, was ist das denn, wenn selbst Gabi schiebt"! musste ich doch grinsen und das bei der Pein! Und als nächstes kam eine Asphaltabfahrt, die hatte es derart in sich, meine Bremsen haben gestunken und ich hatte wirklich große Angst, dass ich die nächste Kurve nicht mehr überstehe und dank Fadings einfach in die Zuschauermenge rase... das war kein schönes Gefühl. Zu dem Zeitpunkt hab ich mich mehrfach gefragt, was ich da eigentlich mal wieder tue und wieso ich verflixt noch mal nicht wie normale Menschen Urlaub machen kann...
Irgendwie ging es dann weiter, rauf, runter, über Wiesen, Schotter, ich weiß es echt nicht mehr, wir haben noch Tage später vergebens versucht, die Strecke der Eiber Bike Challenge zu rekonstruieren. So langsam merkte ich die Beine ein wenig, aber kein Problem, dachte ich bei mir, es ist ja schon über die Hälfte an Höhenmetern geschafft, dass wird schon...
Irgendwann kam ich auf eine Holperabfahrt (nebenbei bemerkt, es gab entweder nur einfache Auffahrten oder unfahrbare Abfahrten, sehr interessante Mischung), da zwang mich mein mit Kabelbinder notdürftig befestigter neuer Flaschenhalter (nachdem ich die ausgeleierten Schraubenhülsen in meinem Rahmen zuhause noch rechtzeitig bemerkt hatte, montierte ich natürlich schlauerweise alles ab und ließ es natürlich auch brav in der Garage liegen),den ich für teures schweizer Geld tags zuvor auf der Bike Messe noch erhandelt hatte doch tatsächlich zum Anhalten!!! Anhalten, in einem Rennen, das hab ich noch nie gemacht, aber besondere Umstände erfordern ja auch besondere Taten, hhmmmh, hab schnell die Flasche weg geschmissen und den Halter wieder entgegen der Erdanziehung nach oben gedreht. Dummerweise überholten mich in der kurzen Zeit doch tatsächlich zwei meiner Konkurrentinnnen, oooooh, mein Ehrgeiz erwachte zu neuem Elan! > Schnell wieder in den Sattel und hinterher, ja, reintreten, toll, das macht Spaß, bis, ja bis zu diesem einen ganz speziellen Punkt, bei dem sich mir jetzt noch die Fußnägel kräuseln!!!! BORT, so hieß der nun folgende Anstieg, laut Höhenprofil ein ganz normaler Anstieg, aber die Schweizer haben ja noch nie gekleckert, da wird ja immer geklotzt. Ein dezentes, in signalgelb gehaltenes Schild, brachte mir Gewissheit über das, was meine Augen nicht wahrhaben wollten "Achtung Anstieg, 300Hm auf den nächsten 2,5 km!" Das war echt der Hammer, da fährst Du, nichts Böses ahnend, um die Kurve und siehst vor dir eine Wand und suchst fieberhaft nach dem Weg, denn Du willst nicht wahr haben, was Du siehst, diese kleinen bunten Punkte, die sich schiebend und keuchend mehr oder weniger senkrecht nach oben bewegen.....das war der Anstieg!!!
Schluck! Wer von euch kennt die Corno Tour am Gardasee, ich sag euch, dass sind Kinkerlitzchen, mach das mal 2,5 km lang mit bis zu 27% Steigung. Zum Glück war's Asphalt *lach*! Das Ganze nannte sich dann Bergwertung!!! Wer schon mal mit mir einen Alpencross gefahren ist, weiß, wie ungern ich mein Rad schiebe und das es für mich nichts Schlimmeres gibt! Also bin ich langsam und stetig alles hochgekurbelt, braves Cube, wollte sich zwar manchmal aufbäumen, aber ich konnte meinen wilden Mustang immer noch im Zaume halten. Oben auf BORT durchfuhr man dann einen roten Zielbogen, dummerweise verschärfte sich dann alles, da es nun auf Grasuntergrund weiterging.> Hier hatte ich keine Kraft mehr und hab dann auch geschoben. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, ein wenig eher schon zu schieben, denn nach dieser Mörderaktion ging mir regelrecht der Saft aus. Erste Anzeichen von Krämpfen machten sich bemerkbar und es waren noch ca. 300 Hm zu bewältigen. Owei, wie sollte das enden....? Aber bei dieser Auffahrt hatte ich Boden gut gemacht, die Mädels die mich zuvor überholt hatten, waren wieder eingeholt. Aber es hatte zuviel Kraft gekostet, ein zwei Frauen zogen in den nun folgenden Passagen, die mit Matsch Auf- und Abpassagen gespickt waren, wieder vorbei und ich fühlte mich so fertig.... Gerade hatte ich mir das letzte meiner drei Gels in den Hals gedrückt, da kam wieder eine der zahlreichen Verpflegungsstellen, dort habe ich erst mal immense Mengen an Cola und Isogetränken in mich hinein gepumpt. Ehrlich gesagt, ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung mehr, wie weit es wirklich noch war (mein HAC hat an den vielen Schiebepassagen wohl nicht weiter gezählt), wie viele Anstiege noch folgen sollten und wie der weitere Streckenverlauf sein würde. Ich wollte nur noch ins Ziel und mich hinlegen... Ab dann bin ich nur noch so vor mich hin gekurbelt, bemüht, keine Krämpfe zu kriegen und egal wie, irgendwie ins Ziel zu kommen. Immer wenn ich dachte, dass muss doch jetzt der letzte kleine fiese Anstieg vor der endgültigen Talabfahrt sein (danach sollte es nur noch mal kurze knackige 150 Hm ins Ziel gehen), kam ich um eine Kurve und wieder ging's bergan... das konnte doch echt nicht wahr sein!
Dann endlich hatte sich das letzte Gel in die Muskeln verteilt und ich konnte wieder vernünftig in die Pedale treten, die "Zweite Luft" kam! Zu meinem Glück kam nun auch noch eine technisch eher anspruchsvolle Trailpassage bergab, hier lag eine der Frauen, die mich zuvor überholt hatte mit Krämpfen. Die Arme, so kurz vorm Ziel! Ihre Kollegin sah ich gerade wieder vor mir aufsteigen und weiter fahren... Sowas ist immer gut, dass weckt nochmals den Kampfgeist. Im Tal ging es dann immer leicht bergab zum tiefsten Punkt der Strecke, hier konnte ich dank meiner guten Rennradvorbereitung auf meine Vorausfahrerin aufschließen (die Schweizerinnen können nur bergauf oder bergab, gerade aus kräftig treten im dicken Gang, so was braucht man dort nicht). Mittlerweile klebte meine Zunge am Gaumen, ich hatte ja keine Trinkflasche mehr, hab mich kurz mit der Schweizerin darüber unterhalten, da hat sie mir netterweise noch nen Schluck aus ihrer Wasserflasche gegeben. Wollte mich dann an sie hängen, aber mit einem freundlichen Grinsen und einem "ne, ne, ne, fahr Du mal schön vor" hatte sich das auch erledigt und ich musste nach vorne. Jetzt kamen die letzten ca. 1000m und 150 Hm, ab dort galt es "alles oder nichts". Zuerst vor sie gesetzt, dann nach ein paar Metern, auf denen sie mithalten> > konnte, etwas beschleunigt, die Kette nach einem schnellen Blick nach hinten aufs mittlere Kettenblatt geschoben und los. Noch mal die letzten Reserven mobilisieren und mit durchschnittlich drei Strichen im Display meines HACs in den Anstieg! Da konnte die Arme nicht mit, ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, aber es war ein Rennen! Mit ständigem Brechreiz bin ich den Berg hoch, dank der Signalschilder wusste ich immer, wie weit es noch ins Ziel war! Um die letzte Kurve, noch mal ein vergewissernder Blick > > nach hinten, dass von dort keine Gefahr drohte, und dann mit einem Lächeln (sehr erzwungen) zum Fotografen ins Ziel gefahren. Mann, war ich fertig!!! Nach> 4:38 endlich geschafft! Ich war sooooo happy! Bei der Eiger Bike Challenge gefinished, juchu! Kurz drauf, ich hatte mich mittlerweile noch mit einem Schweizer unterhalten, der sich zuvor im rennen mehrfach erstaunt darüber geäußert hatte, dass Frankfurterinnen so gut bergauf und vor allem auch bergab fahren können, wo wir doch im Flachland leben würden. So häufig sind sie wohl noch nicht aus ihren tiefen Tälern herausgekommen, hab ihm dann erst mal die topgraphischen Gegebenheiten des Rhein-Main Gebietes näher gebracht :-)! Ca. eine Minute nach mir war auch die Einheimische ins Ziel gekommen, sie hat es mir nicht übel genommen.
Karin kam auch bald, genauso happy wie ich, die Eiger Bike Challenge überhaupt und heile geschafft zu haben. Es gab unterwegs genügend Defekte und Stürze, da sind wir echt heldenhaft unterwegs gewesen. Wir haben uns beide sehr schnell erholt und haben einfach die Zeit im Ziel in der Sonne genossen. Insgesamt bin ich mit der Zeit in meiner Altersklasse auf Platz 15 und overall bei den Frauen auf Platz 34 gelandet! Bin damit sehr zufrieden und als kleines Schmankerl habe ich mir selbst noch den Preis als beste Nicht-Schweizerin zuerkannt :-). Irgendwie muss man sich ja fürs nächste Mal motivieren, nicht wahr :-)! Alles in allem war es im Nachhinein natürlich ein tolles Rennen in unvergleichlicher Alpenatmosphäre mit Wahnsinns-Panorama Ausblicken (für> die hab ich mir auch immer wieder Zeit genommen) und ich kann mir durchaus vorstellen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein! Schön war auch, dass sich nie jemand beschwert hat, wenn man bergab nicht gefahren ist, wenn jemand vorbei wollte, wurde immer freundlich angekündigt, so was erlebst Du bei einem Rennen in Deutschland nicht. Es war einfach alles viel relaxter... eben wiederholungswürdig! Kommt nächstes Jahr einfach alle mit, das wär doch was, wenn der MTBC dort mit einer ganzen Truppe aufläuft! Ne tolle Unterkunft haben wir schon (das Lauberhorn Hotel) und anschl. könnten wir von dort sogar noch eine Mehrtagestour durchs Berner Oberland starten, der Hotelbesitzer ist nebenbei auch noch Bikeguide :-)! Ich hab uns schon mal angekündigt *dumdidumdidum*. Am Montag haben Karin und ich dann zur Entspannung noch eine kleine Wanderung gemacht und am Dienstag sind wir mit einer geführten Gruppe von Grindelwald rüber ins Lauterbrunnnental und hoch nach Mürren, der Ort liegt unterhalb des Schilthorns, dort oben ist ein Drehrestaurant, welches dem ein oder anderen von euch vielleicht aus dem Bond-Film "Im Namen ihrer Majestät" o.ä. bekannt ist. Total geniale Aussicht, immer mit Blick auf das Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau! Gegenüber liegt Wengen, der Zielort der weltberühmten Lauberhornabfahrt. Einfach nur schön!!! Auf dem Rückweg haben wir uns noch ein kleines Rennen mit dem Guide geliefert (Karin hat angefangen), als Dankeschön gab's dann hinterher erst mal ganz viel Radler (Panache) für alle!
So, hoffe, ihr seid nicht eingeschlafen beim Lesen und wenn ihr jetztnoch Lust habt, könnt ihr euch auch die Fotos unter www.dein-lauf.de anschauen, Startnummern 4076 und 4077!




